Projektbericht: Der Rubikon ist überschritten

Radio FRO – Freier Rundfunk Oberösterreich GmbH

Der Rublikon ist überschritten, das von Radio FRO 2016/2017 im Rahmen des KUPF-Innovationstopfes 2016 umgesetzt wurde.

 

Soll heißen, es reicht! Es ist Zeit, dass das FROzine seine redaktionelle Arbeit als relevantes Lokalmedium sichtbarer macht. Die Zeiten werden härter und die Auseinandersetzung mit Politik immer wichtiger, besonders im Journalismus.
Im Herbst 2016/Winter 2017 (Oktober – März) werden Weiterbildungen angeboten für Redaktionsmitglieder, die Interesse haben sich sehr gezielt auf die Gestaltung und Moderation von öffentlichen Diskussionsveranstaltungen vorzubereiten. Die Weiterbildungsmodule sollen der thematischen und methodischen Vorbereitung auf diese Diskussionen dienen. Dazu wurden von Oktober 2016 bis März 2017 drei Vorbereitungstreffen, zwei redaktionsinterne Workshops, vier hausinterne Lectures und zwei öffentliche Podiumsdiskussionen Raum für die politische Diskussion und zur Weiterbildung bieten.

Aktivitäten 2016

In der Redaktionssitzung nach der Sommerpause wurde das Angebot gemacht, das in
weiterer Folge in einer Gruppe von 8 Personen thematisch in drei Vorbereitungstreffen
entwickelt wurde. Ausgewählt wurden folgende drei Themenkreise:
• Politik abseits der etablierten Parteien & Weiß-Wählen; Wege aus dem Parteizwang
und Parteiensumpf; Bürgerlisten,…
• Der sozialen Heimatpartei das Soziale absprechen (Regulierungswut,…)
• Nein heißt Nein; immer noch und wieder patriarchale Strukturen; Frauenbewegung
& Antifeminismus
Außerdem wurde konkret der Bedarf an theoretischem Input als Vorbereitung auf öffentliche Diskussionen festgehalten und zwei Workshops wurden fixiert:

• Workshop I: Gestaltung von Podiumsdiskussionen

Am 15. 11. 2016
Umfang: 5h
Referentin: Christine Haiden,
Chefredakteurin Welt der Frau,
Präsidentin des OÖ Presseclubs

Foto: Radio FRO

 

 

• Workshop II: Rhetorische Methoden für Podiumsdiskussionen

Am 28.11.2016
Umfang: 5h
Referentin: Dominika Meindl,
Journalistin, Autorin und Künstlerin

Foto: Radio FRO

 

 

 

Im Anschluss an die Workshops startete die dreiteilige Lectureserie, die als hausinterne
(STWST – Redaktion Versorgerin, servus.at und alle Redaktionen von Radio FRO) politische Weiterbildung angekündigt und angenommen wurden und in nettem Rahmen mit Knabbereien und Getränken stattfand.

• Lecture I: Politik abseits der etablierten Parteienlandschaft
am Dienstag, 22. November ab 17 Uhr im FoRoOm, 17 – 20 Uhr

Die eingeladenen Referent*innen waren Uli Böker und Stefan Schartlmüller. Sie gaben uns aus unterschiedlichen Perspektiven ihren Input und luden zur anschließenden Diskussion ein. Moderation: Sandra Hochholzer

Ulrike Böker startete ihre berufliche Laufbahn als Kindergartenpädagogin. 1984 wechselte
sie in das Architekturbüro „Projektgruppe 4100“ in Ottensheim. Schon immer stand die
Kultur im Mittelpunkt ihres Interesses. Seit 1987 arbeitet sie in der Kulturgruppe „arge granit ottensheim“. 1991 arbeitete sie als freie Mitarbeiterin im „OK“ in Linz. 1995 übernahm sie die Büroleitung für das „Festival der Regionen“ im Büro Ottensheim und wurde 2000 als Geschäftsführerin bestellt. Projektleitungen wie die des Stationentheaters „BARBAREN“ und dem „KULTURSCHIFF“ wurden von ihr erfolgreich durchgeführt. Von 1996 – 2001 war sie Vorstandsmitglied der Kulturplattform OÖ. (KUPF) in Linz. Bis 2002 war sie zeitgleich an der Kunstuni in Linz (Meisterklasse Architektur) tätig. Von 2002 bis 2015 war sie aktiv in der LEADER Region „Urfahr West – uwe“. Seit 2013 ist sie Vorständin im Verein „Landluft“, der sich für Baukultur im ländlichen Raum einsetzt.
1997 startete sie als Gründungsmitglied der Liste pro O. ihre politische Karriere. Seit 1998
ist sie Gemeinderätin und von 2003 bis 2015 war sie Bürgermeisterin des Marktes Ottensheim.Seit Oktober 2015 ist sie Abgeordnete zum OÖ. Landtag.

Stefan Schartlmüller kennen vielleicht einige noch als Mitbetreiber von Wirt am Graben
und Spirali. Seit seinem Rückzug aus der Gastro widmet er sich noch stärker dem Politischen, mit den Schwerpunkten Agrarpolitik und Ernährungssouveränität und Demokratie/ politisches System an sich. Mit Kolleg*innen aus dem offenen Netzwerk der IG Demo?krAtie organisiert er seit 2012 verschiedenste politische Veranstaltungsformate.
Zur eigenen Weiterbildung und der Entwicklung der IG Demo?kratie gehört die intensive,
kritische und praktische Auseinandersetzung mit Beteiligungsprozessen, den Methoden
und der Kultur dahinter. Gesammelt unter anderem unter dem Begriff „Art of Hosting“ hat
Stefan mehrere Trainings und seit kurzem das Soziokratie-Modul 1 hinter sich. Stefan
sieht darin „politische Kulturtechniken“, die mittel- und langfristig die Weiterentwicklung
des Selbstverständnisses mit dem wir/die Gesellschaft „der Politik“ zurzeit noch oft passiv
gegenüber stehen, positiv beeinflussen können.
Mit den seit Mitte 2015 unregelmäßig stattfindenden DiY-Demo?krAtie-Repaircafes wollen
einige Menschen rund um die IG Demo?krAtie auf kleiner Ebene Kommunikations-, Entscheidungs- und Moderationstools auf einfach zugängliche Art vermitteln.

• Lecture II: Der „sozialen“ Heimatpartei das Soziale absprechen
am Dienstag, 13. Dezember von 17 bis 20 Uhr im FoRoOm

Die eingeladenen Referenten waren Walter Ötsch (Professor für Ökonomie und Kulturgeschichte) und Josef Pürmayr (Geschäftsführer der Sozialplattform OÖ). Sie gaben uns aus unterschiedlichen Perspektiven ihren Input und luden zur anschließenden Diskussion ein.
Moderation: Sandra Hochholzer

Josef Pürmayr
Geboren 1962 im oberen Mühlviertel, dort Schule bis zur Hak-Matura, anschließend Betriebswirtschaftslehre- Studium in Linz, Abschluss 1988. Anschließend Zivildienst bei der Lebenshilfe und erste intensivere Kontakte zum Sozialbereich. Mangels Interesse an einschlägiger BWL-Berufstätigkeit habe ich dann im Bereich der arbeitsmarktpolitischen Integrationsprojekte angeheuert. 1. Berufstätigkeit ab September 1989: Vorbereitung und Umsetzung der Donauwerkstätten-Tischlereiausbildung in Mauthausen und im Zug dieser
Vorbereitungsarbeiten Gründung des Vereines SAUM im Unteren Mühlviertel. Geschäftsführung im Verein SAUM und Aufbau weiterer arbeitsmarktintegrativer Projekte im Auftrag von AMS, Sozialministeriumsservice, Land OÖ und ESF. Das habe ich gemacht bis Sommer 2013, seither: Geschäftsführer Sozialplattform OÖ.

Walter Ötsch
Walter Ötsch ist Professor für Ökonomie und Kulturgeschichte an der neu gegründeten
Cusanus-Hochschule in Bernkastel-Kues an der Mosel. Er war früher an der Johannes
Kepler Universität Linz tätig und hat dort u.a. das Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft aufgebaut und geleitet, worin die Ursachen und Hintergründe der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 erforscht werden. Walter Ötsch beschäftigt sich auch mit der Geschichte des ökonomischen Denkens und der Wirkung ökonomischer Theorien auf die Gesellschaft. Er hat den Bestseller „Haider Light“ geschrieben, in dem die Kommunikationsstrategien der Rechtspopulisten analysiert wurden, – einige dieser Erkenntnisse wurden auch im Wahlkampf zu den Bundespräsidentschaftswahlen medial verbreitet.

Aktivitäten 2017
• Lecture III: Die Inszenierung von Frauen*rechten und Pluralität als Bedrohung.
Geschlechterbilder der Rechten und ihre Brücken in die rechtskonservative
Mitte
am Dienstag, 14. März von 17 bis 20 Uhr im FoRoOm

Die eingeladene Referentin war Judith Götz. Sie hat Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen
der Rechten thematisiert sowie die Verschränkungen mit Nationalismus, Identität
und die Anziehung rechter Argumentationslinien. Wie zeigt sich das in der Realpolitik?
Moderation: Sandra Hochholzer
Mitgeschnittener Vortrag im Audioarchiv der Freien Radios in Österreich cba.fro.at:
https://cba.fro.at/338009
Interview mit Judith Götz
https://cba.fro.at/336917
Judith Götz ist Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit
(FIPU), Literaturwissenschafterin und Politikwissenschafterin. Seit 2001 zahlreiche Auslandsaufenthalte und soziale Tätigkeiten vor allem in Lateinamerika (Guatemala, Nicaragua, Argentinien, Venezuela), Mitglied der Redaktion Context XXI sowie der LICRA (Liga gegen Rassismus und Antisemitismus), Mauthausen-Außenlager-Guide, Trainerin, zahlreiche Artikel und Vorträge zu den Themenbereichen Rechtsextremismus, Gedenkpolitik und Gedenkkultur in Österreich sowie zu feministischen/frauenpolitischen Fragestellungen.
Lehraufträge an den Universitäten in Klagenfurt/Celovec, Salzburg und Wien.

Abschließend und als Höhepunkt unserer Arbeit fanden zwei Podiumsdiskussionen statt,
die von Redakteur*innen des Infomagazins FROzine – jeweils als Doppelmoderation –
moderiert wurden. Beide fanden im Kepler Salon statt und wurden live auf Radio FRO
übertragen und von dorf TV gefilmt.

• Podiumsdiskussion I: Alternativen zur Parteipolitik?
FROzine Spezial diskutiert am 28. Februar um 18 Uhr im Keplersalon und live auf
Radio FRO
Moderation: Christian Aichmayr und David Haunschmidt
Gäste: Tamara Ehs (Politologin), Franz Hochstöger, (Bürgermeister St. Georgen
am Walde); Claudia Fahrenwald (Pädagogische Hochschule
OÖ), Uli Böker (Landtagsabgeordnete Die Grünen)

Gibt es Visionen zur Zukunft der politischen Landschaft? Steht
gesellschaftliches Engagement im Widerspruch zur politischen Praxis?

Eine Kooperation von Radio FRO mir dem Keplersalon und dorf TV. Finanziert vom Land OÖ im Rahmen des KUPF Innovationstopfs 2016.

Zusammenfassung im FROzine am 1. März 2017 http://www.fro.at/article.php?id=12058

• Podiumsdiskussion II – Feministische Kämpfe nötiger denn je?
Am 21. März 2017 um 18 Uhr im Kepler Salon
Moderation: Christiane Löper und Romina Achatz, freie Redakteur*innen bei Radio FRO

Wenn auch noch nicht genug – viel wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten auf dem
Feld der Antidiskriminierung, der Gleichstellung und der Anerkennung von Pluralität erreicht. Es scheint: Die öffentliche Anerkennung der Existenz vielfältiger Lebensweisen wird stärker, die Stimmen, die Rassismus offen legen und bei Sexismus nicht schweigen, lauter. Gleichzeitig gewinnen nationalistische, rechtskonservative und rechtspopulistische/extreme Argumentationslinien an Attraktivität: in Österreich, Polen, Deutschland, Frankreich, den USA – die Liste kennt fast kein Ende.
Gemeinsam mit Dr.in Stefanie Mayer (Politikwissenschafterin an der Universität Wien) und
Dorota Trepczyk (Programmkoordinatorin bei Radio FRO, Redakteurin der Radiosendung
PoloNews, und aufmerksame Beobachterin der polnischen Entwicklungen) werfen wir einen beispielhaften Blick auf Polen und Österreich und diskutieren: Was passiert da? Warum eignen sich Gleichstellungspolitik, (queer)feministische Perspektiven und das Sprechen über Genderverhältnisse so gut als Feindbilder? Wie kann es sein, dass die polnische Regierung im Jahr 2017 sexuelle und reproduktive Rechte – von der Anti-Babypille bis hin zum Schwangerschaftsabbruch – massiv einschränken möchte und dabei große Zustimmung erfährt? Wie steht es um die riesige Protestbewegung?
Wie schaut die Situation in Österreich aus? Und was macht uns noch Mut?

Romina Achatz, Stefanie Mayer, Dorota Trepczyk, Christiane Löper. Foto: Radio FRO

 

 

 

 

Stefanie Mayer lehrt an der FH Campus Wien im Bereich Public Management und war davor u.a. beim Zentrum für Frauen- und Geschlechterstudien der Universität Klagenfurt und am Institut für Politikwissenschaften der Universität tätig. In ihrer Dissertation widmete sie sich weißem feministischem Aktivismus in Wien und seinen Auseinandersetzungen mit Rassismen und Antirassismus. Weitere Schwerpunkte in Forschung und Lehre umfassen Kritische Forschung zu Anti-Genderismus, Rechtsextremismus/Rechtspopulismus.
Dorota Trepczyk arbeitet als Programmkoordinatorin bei Radio FRO und ist außerdem Redakteurin von PoloNews. Zu sozialistischen Zeiten in Polen geboren und aufgewachsen, lebt sie seit Jahrzehnten in Österreich. Sie beobachtet wachsam die jüngsten Entwicklungen in Polen bzgl. Reproduktionsrechten und Frauen*rechten und kennt durch ihre Vernetzung in Polen und Österreich sowohl die direkte Betroffenheit der Menschen in Polen, als auch die konträren Sichtweisen innerhalb der polnischen Community in Österreich.

Eine Kooperation von Radio FRO mir dem Keplersalon und dorf TV
Finanziert vom Land OÖ im Rahmen des KUPF Innovationstopfs 2016

Resumée
Resümierend ist festzuhalten, dass die intensive Auseinandersetzung einen generellen
Energieschub zur Umstrukturierung des Infomagazins FROzine mitbewirkt hat, das den
Fokus stärker auf die Thematisierung von lokalen und regionalen politischen Entwicklungen legt und eine couragierte und selbstbewusste Herangehensweise braucht.
Mit März 2017 wurde die Redaktion umstrukturiert und die Kooperation mit dorf TV verstärkt, was zur Folge hat, dass unsere Inhalte mehrfache Verbreitung finden.
Als leitende Redakteurin kann ich festhalten, dass diese Art der Unterstützung von Projekten gute Startmöglichkeiten für Veränderungen und sinnvolle, langfristige Verbesserungen darstellt.
Bericht: Sandra Hochholzer, Mai 2017